Häufige Erkrankung der mittel- und großwüchsigen Hunderassen

Eine häufig vererbte Krankheit kann nicht beeinflusst werden

Ellbogengelenksdysplasie (ED)

Die Ellbogengelenksdysplasie (ED) stellt eine häufige Erkrankung der mittel- und großwüchsigen Hunderassen dar. Rassen wie der Deutsche Schäferhund, Labrador sowie Sennenhunde (insbesondere der Berner Sennenhund) sind dabei statistisch überrepräsentiert.

Für die Entstehung der Ellbogendysplasie werden in der tiermedizinischen Literatur mehrere Ursachen diskutiert. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass bei ca. 85 % aller beobachteten Erkrankungen die Ursache in einer genetischen Prädisposition (vererbte Anlage) zu suchen ist. Dieser überwiegende Teil der Erkrankungen ist nicht durch eine noch so gute und angepasste Fütterung zu beeinflussen. Die Ursache für die restlichen 10-15 % der Ellbogendysplasieformen wird kontrovers diskutiert. Hierbei werden frühkindliche Traumen (Stürze und Unfälle) sowie sehr unpassende Ernährung der Welpen und Junghunde für das Auftreten des Leidens verantwortlich gemacht.

Bei der Fütterung hat sich die Lehrmeinung im Verlauf der letzten 15 - 20 Jahre vollständig gedreht. Aus heutiger Sicht ist eine genau angepasste oder sogar leichte Unterversorgung der Junghunde hinsichtlich der Gabe von Gesamtenergie, Protein (Eiweiß) sowie Calcium und Phosphor einer Überversorgung vorzuziehen. Daher ist eine Supplementierung (Anreicherung) eines Welpen- oder Junghundfutters mit diversen „Aufbaupräparaten“ eindeutig nicht zu empfehlen. Weiterhin sollte ein Welpe oder Junghund seinem Alter entsprechend belastet werden. Extrem lange Spaziergänge sowie mehrfaches exzessives Tollen mit Artgenossen sind dabei nicht ratsam. Im Gegensatz ist ausdrücklich festzuhalten, dass Junghunde sehr wohl auch in der Lage sind Treppen zu laufen. Dies sollte natürlich auch angepasst erfolgen.

Grundsätzlich lässt sich die ED in 2 verschiedene Formen unterteilen:
Die Abkürzungen IPA (isolierter Processus anconaeus) sowie FPC (fragmentierter Processus coronoideus) bezeichnen dabei 2 Knochenpunkte der Ulna (Elle), welche im Alter von ca. 20 - 24 Wochen mit dem Rest des Knochens fest verwachsen müssen. Erfolgt der Schluss der entsprechenden Wachstumsfuge nicht, so wirken die betroffenen Knochenteilchen als lose Gelenkskörper im Ellbogengelenk und führen zu Gelenksentzündung und Lahmheit.

Die Diagnose der ED ergibt sich im jeweiligen Fall durch Vorbericht, klinische Lahmheitsuntersuchung sowie Röntgen. Von Fall zu Fall kann eine wiederholte Röntgenaufnahme nach 4 - 6 Wochen der Diagnoseabsicherung dienen.

Ist die Diagnose abgesichert, sollte das Tier einer Operation unterzogen werden. Dabei werden die nicht fest angewachsenen Knochenteile entfernt. Innerhalb eines sehr engen Zeitfensters (ca. 18. bis 22. Lebenswoche) kann beim Vorliegen eines isolierten Processus anconaeus die Fixation (Befestigung) des Processus mittels einer Schraube versucht werden.

Die Prognose einer Operation ist vorsichtig gut. Eine zukünftige Arthrosebildung des operierten Gelenkes ist dabei nie auszuschließen.