Die Kastration der Hündin (Ovariohysterektomie = vollständige Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter) und die Kastration des Rüden (Entfernung der Hoden a) aus dem Hodensack, b) aus der Leistengegend ( = inguinaler Kryptorchide), c) aus der Bauchhöhle ( = abdominaler Kryptorchide) ), ist im Hinblick auf das Sozial- und Lernverhalten erst nach Erreichen der Geschlechtsreife zu empfehlen. Bei der Hündin also frühestens 3 Monate nach der ersten Läufigkeit und 1 Monat vor Beginn der 2. Läufigkeit. Beim Rüden nach Ablegen des Welpenverhaltens und im Normalfall vollständigen Abstiegs der Hoden in den Hodensack.
Die Entstehung von Gesäugetumoren bei Hündinnen wird durch Störungen im Sexualzyklus (insgesamt verlängerte Läufigkeit, verlängerte Phasen der Läufigkeit, Scheinschwangerschaft nach der Läufigkeit, Gesäugeentzündung im Zuge der Läufigkeit) und durch über Jahre hormonell unterdrückte Läufigkeiten deutlich begünstigt. Früh kastrierte Hündinnen haben ein geringeres Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken.
Sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden liegt das durchschnittliche Alter in dem Tumoren des Gesäuges bzw. der Prostata auftreten bei 8-10 Jahren. Im Gegensatz zur Hündin betrifft das Risiko von Prostatatumoren sowohl kastrierte als auch unkastrierte Rüden und gemäß einer Untersuchung der Klinik für kleine Haustiere der Universität Utrecht hat eine frühe Kastration beim Rüden keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko.
Gesäugetumore und Tumore der Prostata (Prostatakarzinom, Plattenepithelkarzinom) können bösartig sein und metastasieren bevorzugt in die Lunge. Sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden sollte bei Auftreten dieser Tumoren bezüglich der Prognose eine röntgenologische Untersuchung der Lunge und eine Herz-Kreislaufuntersuchung durchgeführt werden. Liegen bereits Metastasen in der Lunge oder sogar schon in Lymphknoten, Nieren, Herz oder Knochen vor, ist die Prognose ungünstig und es wird in der Untersuchung der Universität Utrecht eine Lebenserwartung bis 6 Monaten angegeben.
Differentialdiagnostisch sind bösartige Prostata-Tumore von gutartigen Prostata- Vergrößerungen zu unterscheiden. Hinweise auf eine krankhafte Veränderung der Prostata geben Kotabsatzstörungen, Schmerzen im hinteren Rückenabschnitt und den Hintergliedmassen, sowie Harnabsatzprobleme. Nach Ausschluss einer Erkrankung des Harnapparates können im Urin bei Prostataerkrankungen auch Entzündungszellen und Blut diagnostiziert werden.
Die Unterscheidung eines bösartigen Prostata-Tumors von einer gutartigen Prostata-Vergrößerung kann nur die Ultraschalluntersuchung ergänzt durch eine Probenentnahme und pathologische Untersuchung des Prostata-Gewebes sichern. Im Ultraschall können Zysten, Verkalkungen und echoreiche Strukturen einen Hinweis auf eine mögliche Tumorerkrankung geben. Eine regelmäßige Kontrolle des Gesäuges bei der Hündin und der Prostata beim Rüden lassen eine frühe Diagnose und Therapie von Tumoren mit deutlich verbesserter Prognose zu.